Kevin Tucker - Klassenkampf, Kommodifizierung und die modernisierte Gesellschaft

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AutorIn: Kevin Tucker
Titel: Klassenkampf, Kommodifizierung und die modernisierte Gesellschaft
Datum: 2009
Quelle: Broschüre von anticiv.ch.vu (down seit Jahren) bzw. aargrau.ch - Online: https://archive.org/details/de_Thesen_zum_Untergang_der_Zivilisation/

Ist der Klassenkampf immer noch relevant? Die Reliquien zerfallender linker Bewegung hätten es immer noch gerne, dass wir uns an diesen Stückchen Geschichte festhielten, die schon lange überholt sind. Wie die anti-staatliche Publikation «Black Star North» behauptet: «Vorschlägen, dass Klassenkampf nicht mehr relevant für revolutionäre Theorie und Praxis sei, sollte mit hohem Verdacht begegnet werden. Diejenigen, die solche Behauptungen aufstellen, sind entweder naiv, fehlgeleitet oder aus der Mittel- / Oberschicht und nicht gewillt, sich mit ihrem Privileg auseinanderzusetzen.» [1]

Der Klassenkampf hat ohne Zweifel seinen Ursprung im Aufstieg der industriellen Gesellschaft. Die gesellschaftlichen Schichten durchdringen selbst den sozialen Umschwung, mit Betonung auf der Produktion von Nahrungsmitteln bis zur Spezialisierung innerhalb der unterschiedlichen Bereiche materieller Güter, die den idealistischen Reichtum unserer Zeit akzentuieren. Agrarische Gesellschaften hatten mit Sicherheit ihren Reichtum, doch die meisten Klassenkämpfer richten ihre Aufmerksamkeit auf das industrielle Zeitalter, das folgt (ein Detail, das immer ein ernstes Problem bei der historischen Analyse klassenkämpferischer Perspektive darstellen wird).

Der Aufstieg und Untergang des Klassenkampfs

Der Aufstieg des Klassenkampfs im industriellen Sinn, in welchem meistens Bezug darauf genommen wird, geschieht zeitgleich mit der zunehmenden Mechanisierung und Automatisierung. Ein dauernder Umschwung von menschlichen Energiequellen zu maschinellen. Die technologischen «Fortschritte», die während dieser Progression gemacht wurden, hatten grossen Einfluss auf die Stufe der Strenge wahrgenommen von der Arbeiterklasse (den Produzenten). Es bedarf keiner Erwähnung, dass dies von zunehmenden Profiten auf Seiten der Kapitalisten (der Besitzer) begleitet wurde. Es scheint extrem bedeutsam, die Unterschiede zwischen den Gesellschaften anno dazumals und heute zu erkennen. Die Konsumgesellschaft, in der wir heute leben, ist Welten entfernt von der industriellen Periode vergangener Jahre (natürlich existiert die selbe Situation immer noch, sie hat sich nur in der Grössenordnung geändert, wenn man bedenkt, dass der industrielle Prozess noch nicht völlig automatisiert wurde, doch dank unserer globalisierenden Wirtschaft in die sich ausbreitenden ‹Arbeitspools› der Völker der Zweiten und Dritten Welt verlagert wurde). Die riesige Menge an von der industriellen Produktion benötigten Arbeit und die kleinen Anteile von Reichtum, die für die Arbeiterklasse übrig gelassen wurden, machten Nuancen wie Supermärkte oder riesige Shoppingcenter quasi inexistent. Der Service-Sektor war also nur ein kleiner Prozentsatz der Arbeiter, verglichen mit unserer momentanen Gesellschaft, in welcher dieser Sektor den Grossteil geleisteter Arbeit ausmacht.

Dieser konstante Druck zur Arbeitsteilung in mundänere und bedeutungslose Positionen hat das Gesicht der Arbeitskraft von Grund auf verändert. Der Arbeiter ist in unserer modernen geschichteten Gesellschaft noch entfremdeter geworden, als die präfordistischen Fliessbandfabrikmodelle, von denen Marx gesprochen hat. Der Effekt, wiederum, hat einen noch grösseren Verlust individueller ‹Bedeutung› in einer Gesellschaft überflutet mit Arbeiterethik verursacht. Das ganze Szenario war sogar kaum etwas, das in Zeiten sozialen Widerstands vor dem Zweiten Weltkrieg in Betracht gezogen wurde, trotz den grossen Schritten in Richtung Modernisierung, die durch das 19. Jahrhundert hinweg bis zu dieser Zeit materiellen Reichtums – oder gewöhnlicherweise als ‹Wohlstandsgesellschaft› missverstanden [2] – gemacht wurden. Dies ist die Gesellschaft, in welcher wir (die privilegierte Erste Welt, woraus der Grossteil der Leserschaft dieses Essays bestehen dürfte) existieren. Es scheint erschreckend offensichtlich, dass wir uns zur post-industriellen Gesellschaft gewandelt haben (ein Schritt, welchen die sozialistischen Strömungen offensichtlich ignoriert haben).


Industrielle und post-industrielle Arbeiter

Der industrielle Fabrikarbeiter, der sich für einen Stundenlohn versklavt, ist ein Gebrauchsgegenstand. Das bleibt indiskutabel. Die Wirtschaft verwandelt uns alle in Prostituierte der Kapitalisten, die ihre Körper und Fähigkeiten bloss für den vorbestimmten wirtschaftlichen Wert (immer von den Bedürfnissen der Kapitalisten oder von den Bedürfnissen, die sie so clever für die sehnsüchtigen Arbeiter [was natürlich alles ist, das wir wirklich sind innerhalb der Religion «Wirtschaft»] gemacht haben, aus gesehen) vermieten. In der Periode, die aus Zeiten heftigen industriellen Zerfalls hervorgegangen ist, werden wir immer weiter zu Gebrauchsgegenständen entfremdet. Die intrinsischen kapitalistischen Interessen, Produzenten zu haben, sind anderer Natur, als die kapitalistischen Interessen an den Konsumenten, eine zarte Brut. Während letztere mehr Aufmerksamkeit und Triebbefriedigung brauchen (die Effekte von synthetischer und virtueller Befriedigung stellen an sich grosse Probleme dar), benötigt der industrielle Arbeiter die strikte Bestärkung seiner sozialen Stellung durch Dominanz im physischen Sinne. Dies ist zentral für das Verständnis unseres momentanen Dilemmas.

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