SwitchOFF! - Gegen die Übernahme der Produktion!

文本
出口ALN(.muse)
AutorIn: SwitchOFF!
Titel: Gegen die Übernahme der Produktion!
Datum: 2010
Quelle: Eine Broschüre von ca. 2010.
Prolog oder so ähnlich


Anarchistische Analyse und Praxis — dies sind unsere Mittel zur Abschaffung der herrschenden, lebensverachtenden Zustände. Wie diese genau auszusehen haben, darüber gibt es glücklicherweise viele Meinungen, denn dies ist eine wichtige Wesensart anarchistischen Denkens und Handelns — dass wir uns nicht auf eine Stossrichtung festlegen, weil wir nicht in autoritäre Fallen tappen wollen. Trotzdem und auch gerade deshalb ist es wichtig, gesunden Austausch und produktive(!) Kritik untereinander aufrecht zu erhalten.

Eis ist oftmals zu bemerken, dass Analysen und Kritiken, die nicht verbreitet oder allgemein akzeptiert sind, allzu leicht mit stumpfsinnigen Scheinargumenten oder schlichtem Desinteresse verworfen oder ignoriert werden. Dies entspricht nicht der angestrebten freigeistigen Offenheit. Während einflussreiche AnarchistInnen immer wieder betont haben, dass die gegenwärtige Situation die anarchistische Theorie und Praxis bestimmt und nicht irgendein versteinertes Kredo, weigern sich viele ihrer AnhängerInnen, auf Fragen einzugehen, die von ihren Vorbildern nicht gestellt wurden oder gewisse althergebrachte Ansichten nochmals neu zu überdenken, obwohl sich seither viel verändert hat. Sie verharren lieber auf der Sicherheit zitierter Seiten und glauben an ihre Richtigkeit in alle Ewigkeit so wie die ChristInnen sich verzweifelt an der Bibel und ihren Geboten festkrallen.


Eine der wichtigsten Stützen praxisbezogenen anarchistischen Denkens ist die Übernahme der Produktion. Es gibt verschiedene, jedoch allesamt ziemlich alte und aus heutiger Sicht aufgrund der rasenden Veränderungen der Moderne mangelhafte Analysen, wie und vor allem weshalb dies anzustreben sei. Ich möchte mit diesem Text jedoch keine neue Methode der Organisierung der Produktion von unten definieren, sondern vielmehr die Einrichtung an sich kritisch betrachten.

Um keine Verirrung zu stiften und Unklarheiten vorzubeugen, werde ich mit einer gängigen Definition der Produktion beginnen:


„Produktion (...) ist der vom Menschen bewirkte Transformations-Prozess, der aus natürlichen wie bereits produzierten Ausgangsstoffen unter Einsatz von Energie, Arbeitskraft und bestimmten Produktionsmitteln lagerbare Wirtschafts- oder Gebrauchsgüter erzeugt.“

(http://de.wikipedia.org/wiki/Produktion)


„Produktion ist simpel die Umwandlung von Inputs zu Outputs.“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Production_theory_basics)


Mein Verständnis der zweiten Definition werde ich später genauer erläutern. Zu Beginn ist ist mir der Fakt wichtig, der den Definitionen allgemein innewohnt: dass mittels der Produktion Güter produziert werden, die dem Menschen dienen, seine/ihre Bedürfnisse zu befriedigen.


Es ist ein zentrales Ziel der Produktion, die Bedürfnisse der Gesellschaft und ihrer Individuen zu befriedigen. Die Ironie, dass der Mensch aber einen riesengrossen Teil seines/ihres Lebens durch Lohn-Sklaverei zwangsabarbeiten muss, damit diese Bedürfnisse befriedigt werden können (je nach dem wie viel Geld mensch kriegt), ist bekannt und wir finden auch gute Kritiken und Analysen zur Lohnarbeit. Doch wie gesagt wurde die Produktion selbst (abgesehen von einigen anarchistischen Kreisen in den USA und in England) noch viel zu wenig kritisch beleuchtet.


Bedürfnis-Konflikt

Ein grosser Teil dessen, was wir heute als menschliche Bedürfnisse definieren würden, ist relativ neu. Es sind einerseits solche, die durch die veränderte („zivilisierte“) und sich immer schneller wandelnde Umgebung und Lebenssituation hervorgerufen werden (zum Beispiel Schutz vor psychischen und physischen Krankheiten wie Stress und Krebs) und andererseits solche, die uns vom System und dem herrschenden Denken eingeimpft werden. Ich möchte erst einmal aufzeigen, dass all diese jedoch zweitrangig sind gegenüber anderen, viel grundlegenderen Bedürfnissen.


Was sind denn unsere primären Bedürfnisse? Diese Frage sollte eigentlich zu einem Schmunzeln anregen, aber ich glaube nicht, dass wir uns dessen wirklich genügend bewusst sind. Und falls doch, dann weiss ich nicht wie es möglich war, ein System aufzubauen, das genau diese wichtigsten Dinge zerstört: Luft, Wasser, Bäume. Vielfalt. Wilde Freiheit. Beziehungen, die über den Zweck von Prestige, Sex, Vorteil oder Macht und über rationale Zwecke an sich hinausgehen. Und nicht zuletzt die ganze Erde, welche sich einem Kollaps wenn nicht gar der vollständigen Zerstörung nähert, weil uns Schnelligkeit, Unterhaltung und Shopping wichtiger sind als alles andere. Dies hat natürlich nicht bloss mit der Produktion zu tun, sondern vielmehr noch mit dem ganzen Machtapparat und Ausbeutungssystem, doch eben weil dieses Problem noch ungenügend betrachtet wurde und eine grundlegende Rolle spielt, möchte ich in dieser Perspektive verbleiben.

Ich hoffe, niemand bestreitet die sekundäre Wichtigkeit von Computern, Pillen, Elektrizität u.s.w. Und ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass alle spezifisch der Zivilisation entstammenden Bedürfnisse sekundär sind. Menschen, die sich darüber im Klaren sind, was sie zum Leben wirklich brauchen und symbiotisch mit ihrer Umwelt verkehren, kämen nie auf die Idee, sich gegenteilig zu erhalten. Nur Gewalt konnte sie von diesem Weg abbringen, durch den Glauben an zornige und eifersüchtige Götter, die angeblich von ihnen eingesetzten Gottkönige und den von dieser Ordnung aufgebauten, maschinengleich funktionierenden Herrschaftsapparat, der von seiner Auferstehung bis heute grundsätzlich gleich funktioniert:

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